Editorial #2

Anders sein!

Spontan gefragt und ohne nachzudenken, wird jeder Mensch über sich sagen, anders zu sein. Anders als alle andern. 

Und hat recht damit. Nicht nur genetisch. Ich ist nicht du. Und irgendwie auch schon. 

Weil wir Menschen durch unsere vielen physischen Mängel die schwächsten Glieder in der Evolutionskette sind und als Spezies nur überlebt haben, weil wir uns zu einer Gemeinschaft der Schwachen zusammengeschlossen haben. In ihrem Schutz konnten unsere Vorvorvorfahren ihre Stärken entdecken, ihre Fähigkeiten entwickeln, zu ihren Potentialen finden. – Und dennoch: Spontan gefragt…

Seit nunmehr 19 Jahren ist das Festival Retz eine Enklave des Anders-Seins. Nicht, um sich von anderen Kulturevents zu unterscheiden, sondern aus dem Bewusstsein der Notwendigkeit heraus, dass es Orte braucht, an denen unser Selbstverständnis als „Krone der Schöpfung“ auf den Prüfstand gestellt wird. Nicht bierernst (was im Weinviertel schwer ist), sondern mit gehöriger Lebenslust, zu der die herrliche Landschaft und die Freundlichkeit der Menschen allen Anlass bieten. 

Ob die alljährliche Premiere einer Kirchenoper, die Konzert- und Literaturevents – im Retzer Land zählt nicht der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich standardisierte Erwartungen herunterbrechen lassen, sondern es geht um das größte gemeinsame Vielfache, das uns verbindet:   

Unsere Natur ist es, anders zu sein. Kunst ist, anders zu bleiben. 

Erleben Sie’s. In Retz!

Team Festival Retz "Offene Grenzen"
Team Festival Retz "Offene Grenzen"

Christian Baier, Sonja Soukup, Erwin Kraus