Gemälde Kain und Abel von Titian (ca. 1570-1576)

KAIN UND ABEL

„La Morte di Abele”

Österreichische Erstaufführung – szenische Welturaufführung

Musik Leonardo Leo
Text nach Pietro Metastasio
Oratorium, 90 Minuten (ohne Pause)
Stadtpfarrkirche St. Stephan, Retz

Karten zwischen 30,- und 88,-

BESETZUNG

Musikalische Leitung
Luca De Marchi

Regie
Sebastian Hirn

Visualisierung
Nicole Aebersold

 

Abele / Angelo
Eldrid Gorset

Eva
Cornelia Sonnleithner

Cain
Markus Björlykke

Adamo
Matteo D’Apolito

INHALT

„La Morte di Abele” handelt vom ersten Mord der Menschheitsgeschichte. Aus dem Paradies verbannt und die traumatische Schuld des Sündenfalls nicht verwunden, sind Adam und Eva in eine raue, unwirtliche Welt geworfen, die sie urbar machen müssen, um darin zu überleben. Sie haben zwei Söhne, von denen Abel ein gottgefälliges Leben zu führen versucht, gleichsam um die Schuld seiner Eltern zu sühnen. Kain hingegen ist von Missgunst getrieben. Er fühlt sich von seinen Eltern gegenüber seinem Bruder zurückgesetzt. Machtlos müssen Adam und Eva mitansehen, wie sich ihr Sohn mehr und mehr radikalisiert…

ÜBER DIE REGIE

Die weltweit erste szenische Realisierung dieses spätbarocken Juwels ist in der multimedialen Inszenierung des Münchners Sebastian Hirn und der Schweizer Animationsfilmerin Nicole Aebersold unter der musikalischen Leitung von Luca de Marchi zu erleben. 

ÜBER DIE MUSIK

Leonardo Leo (1701 – 1744) ist ein Hauptvertreter der „Neapolitanischen Schule“, die im ausgehenden Barock die europäische Musiktheaterlandschaft revolutioniert. Zusammen mit seinem Zeitgenossen Johann Adolph Hasse (seine „Pilger“ waren 2018 in Retz zu erleben) läutet er ein neues Zeitalter der Gesangskunst ein. Im Unterschied zu anderen musikdramatischen Deutungen des biblischen Stoffes verzichtet Leonardo Leo auf allegorisches Beiwerk (Einbeziehung von Gott und Satan in die Handlung). Im dramatischen Fokus steht der Konflikt der Brüder vor dem Hintergrund der elterlichen Schuld. Ungewöhnlich für die Zeit: die knappe und kontrastreiche Dialogführung in den Rezitativen, die einen packenden szenischen Zugriff und lebendige Personenführung ermöglichen. Die Gestaltung der Arien zeugt von Leonardo Leos dramatischem Fingerspitzengefühl. Hier wird die statische Dramaturgie des Oratoriums zugunsten mitreißenden Musiktheaters gesprengt.

HINTERGRUND

„La Morte di Abele“, 1738 in Bologna uraufgeführt, ist nur dem Untertitel nach ein Oratorium. Seine Entstehungszeit duldete keine biblischen Figuren auf der Opernbühne. In Wahrheit ist es ein musikalischer Psychothriller, der mit allen stilistischen Konventionen bricht. Zwischenmenschliche Konflikte eskalieren in messerscharfen Dialogen, brachiale Affekte brechen sich Bahn in virtuos atemlosen Arien. 

Das Stück basiert auf der Textvorlage von Pietro Metastasio für den Wiener Hofkomponisten Antonio Caldara. Der erste Mord der Menschheitsgeschichte wird Anfang des 18. Jahrhunderts für den Wiener Hofdichter Pietro Metastasio zur Folie für einen tiefenscharfen Diskurs über Trauma, Schuld und Sühne. Zweihundert Jahre vor der Entwicklung der Psychoanalyse formt er aus alttestamentarischen Archetypen Menschen aus Fleisch und Blut und leuchtet ihnen mit der Fackel der Poesie in die dämmrigen Winkel und dunklen Nischen ihrer Seelen. – Wir verdammen das Laster und tragen es dabei tief in uns. 

Leonardo Leo war der zweite von insgesamt 39 Komponisten, die sich des Werkes bedienten. Sechs Jahre nach dem Tod des Komponisten kam es in Modena zu einer Wiederaufführung. Ein Umstand, der sowohl das Ansehen von Leonardo Leo belegt als vom hohen Stellenwert des Werkes im Repertoire des 18. Jahrhunderts zeugt.

Karten zwischen 30,- und 88,-